Arthur Machen
Die drei Häscher

Eine detektivische, von Zufällen gesteuerte Expedition durch das London des 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Wundergeschichte.

Buchcover 'Die drei Häscher' von Arthur Machen veröffentlicht durch Elfenbein Verlag Die drei Häscher * veröffentlicht durch Elfenbein Verlag

Vorbemerkung

Der vorliegende Roman von Arthur Machen erscheint in einer Gesamtausgabe von sechs Bänden mit einer Gesamtlänge von 1256 Seiten im Elfenbein Verlag. Diejenigen, die wie ich alle sechs Bände erwerben, erhalten einen kleinen preislichen Nachlass von 2€ pro Buch, allerdings können die Bände auch separat erworben werden.

Bereits die äußere Erscheinung, d. h. die Einbandgestaltung sowie die Verarbeitung des Festeinbands wirken einladend und besitzen jeweils einen thematischen Bezug zur Romankulisse. Leider weist der schwarze Buchrücken schon nach dem ersten Lesen sichtbare Gebrauchsspuren auf.

Für alle, die einen Einblick in das Werk des walisischen Autors Arthur Machen suchen - das unter anderem in Schriftstellern wie H. P. Lovecraft Bewunderer fand - bietet der Elfenbein Verlag mit ihrer Gesamtausgabe eine gelungene Auswahl.

Inhalt

Der Roman „Die drei Häscher” von Arthur Machen aus dem Jahr 1895 handelt von dem Schriftsteller Mr. Dyson und seinem Freund Mr. Phillips, ein hobbymäßiger Wissenschaftler, die auf ihren Spaziergängen durch London auf eine Reihe zufälliger Bekanntschaften stoßen. Über den Verlauf der Geschichte offenbart sich den beiden, dass die um Hilfe bittenden Fremden miteinander in Verbindung stehen. Das verbindende Element der drei Häscher bildet die scheinbar verzweifelte Suche nach einem Mann mit Brille, dessen wahre Identität von den beiden Freunden erst nach und nach aufgedeckt wird, bis sich am Ende der wahre Grund für die Suche der Häscher enthüllt.

Rezension

Der Handlungsstrang spaltet sich - wie so häufig bei Machen - in eine Sammlung einzelner Geschichten auf. In den drei Häschern geht Machen sogar so weit und vollzieht die Abgrenzung der Sequenzen durch die Benennung einzelner “Romane” (bspw. Roman vom schwarzen Siegel) innerhalb des Textes. Dadurch gestaltet sich die Geschichte als ein abwechslungsreicher Flickenteppich, der immer wieder zur Haupthandlung zurückfindet. Es handelt sich hierbei um keine geradlinige Erzählung und häufig taucht man so tief in eine der fesselnden Nebengeschichten ein, dass man zurückblättern muss, um zum eigentlichen Ausgangspunkt zurückzufinden.

Jeder Erzählstrang weist dabei eigene, phantastische Elemente auf. Das Ungesagte lässt hierbei das Gefühl eines subtilen Horrors entstehen, das nur seltenen Momenten zutage tritt. Die Gemeinsamkeit dieser Formen des Grusels liegt darin verborgen, dass sie auf ein tieferliegendes mystisches System hindeuten, zu dem der Leser nur oberflächlich durchdringt - eine Spielart des kosmischen Horrors, für den der durch Machen inspirierte H. P. Lovecraft bekannt wurde. Explizite Horrorelemente - ob Gewalt, Blut oder Tentakeln - finden bei Machen nur äußerst sparsame Verwendung, was sie aber umso effektiver erscheinen lässt, sobald sie plötzlich zutage treten.

Ein weiteres Machen-typisches Merkmal sind die beim Lesen fast sichtbar werdenden Landschaftsdarstellungen. Ob in den Rocky Mountains, in Wales oder in London, Machen versteht es, eine schaurige Kulisse zu zeichnen, die das Übernatürliche furchteinflößend untermalt. Vor diesen Hintergründen gelingt es Machen, die Rätselhaftigkeit der Handlung aufrecht zu erhalten, bis sie zu wahrem Grusel mutiert.

Angetrieben wird die Handlung durch eine Reihe von Zufällen, in welche die Hauptcharaktere verwickelt werden. Der zentrale Ausgangspunkt, London, ein Ort eines geregelten Treibens, wird dabei durch unvorhergesehene Geschehnisse aufgemischt. Meist verschafft die zufallsproduzierende Stadt das, was sich die Charaktere wünschen. So stößt ein Arbeitssuchender nach verzweifelter Suche auf eine unscheinbare Zeitungsannonce, die ihn auf eine phantastische Reise bis nach Colorado führt. Doch stets ist der Zufall zweischneidig. Er bietet Abwechslung oder sogar Rettung vor einem verheerenden Schicksal, nur um die Hilfesuchenden im Gegenzug mit dem Unaussprechlichen in Kontakt zu bringen. Die Charaktere unterscheiden sich in ihrer Handhabung dieses unbegreiflichen Systems. Die einen fordern es heraus, andere stolpern hinein und wieder andere werden hineingetrieben. Dabei bleibt das Resultat immer dasselbe: Die Begegnung mit dem Unheimlichen.

Am Rande der Erzählung setzt sich Machen mit einer weiteren Thematik auseinander. Für ihn existieren Wissenschaft und Wundergeschichte in einer Art Spannungsfeld. Der Übergang ist dabei nur fließend und die Charaktere Machens verschreiben sich eher der einen oder der anderen Gesinnung. Die Phantasten unterscheiden sich von den Wissenschaftlern in der Hinsicht, dass sie die Grenzen des menschlichen Wissens nicht anerkennen. Sie wissen, dass jede neue wissenschaftliche Erkenntnis einmal für unglaublich gehalten wurde. Die Wissenschaftler belächeln dabei die Phantasten in ihrer Leichtgläubigkeit und ihrem vermeintlichen Glauben an das Übernatürliche. In Wirklichkeit sehen sie die Multidimensionalität der Dinge, die durch die Wissenschaft noch nicht erfasst wurde. Der Phantast ahnt das voraus, was die Wissenschaft als Hirngespinst abtut. Machen weiß: Leichtgläubig ist nicht (nur) der, der an Wundergeschichten glaubt, sondern auch - oder vielmehr - der, der alles als eine solche abtut. Für ihn gelten Mythen als eine übertriebene Beschreibung wahrer Gegebenheiten, die nicht leichtfertig abgetan werden sollte. Machens wissenschaftliche Charaktere sehen sich mit dieser Einsicht konfrontiert und während sie sich nicht immer umstimmen lassen, scheint doch das Wunder stets zu triumphieren.

Fazit

Diejenigen, denen subtiler Horror zu seicht ist, oder die eine geradlinige Erzählung erwarten, sollten die Finger davon lassen. Alle anderen sollten sich an das Werk von Arthur Machen wagen und sich „Die drei Häscher” zulegen!

Zusatzinformationen

Titel Die drei Häscher *
geschrieben von Arthur Machen
Verlag Elfenbein Verlag
Seitenzahl 351
Preis 22€ (einzeln)

Bewertung

Die folgende Bewertung schließt die gestalterische Aufmachung des Buchs sowie dessen Preis mit ein. Es handelt sich um meinen subjektiven und unbeeinflussten Gesamteindruck.

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Bewertung: 7/10


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